Schroeder-Schulen sind kein Weltkulturerbe

Wir können nicht alle Schulen erhalten!

 Zur Tagung ‚Licht, Luft und eine neue Pädagogik‘ des kunsthistorischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die sich mit den Kieler Schroeder-Schulen beschäftigt hat, erklärt Tobias von der Heide, Kieler Landtagsabgeordneter und bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion:

„Die Tagung hat deutlich gemacht, dass die Schroeder-Schulen in Kiel ein großer kulturhistorischer Schatz sind. Für die Entstehungszeit sind die Schulen durch innovative pädagogische Konzepte und eine moderne Architektursprache geprägt. Die Behauptung während der Tagung, dass die Schulen sich als Weltkulturerbe eignen würden, erscheint dann aber doch etwas sehr übertrieben. 

In der Tagung ist aber auch deutlich geworden, dass die Schroeder-Schulen erhebliche Schwächen aufweisen. Zum einen ist die Bausubstanz nie für Jahrzehnte geplant gewesen. Zum anderen haben sich viele pädagogische Ideen in der Praxis nicht umsetzen lassen. Das gilt insbesondere für die Freiluftklassen und die Schulgärten, die in den wenigsten Schulen regelmäßig gepflegt und genutzt werden. Und genau darin liegt auch ein Kernproblem bei dem Zusammenbringen von Denkmalschutz und den notwendigen Schulsanierungen. Die Schroeder-Schulen entsprechen nicht den Anforderungen an moderne Schulbauten. Eine Sanierung ist mit großem Aufwand und Kompromissen für den Denkmalschutz verbunden. Energetische Anforderungen, Inklusion, notwendige Differenzierungsräume, Barrierefreiheit, Digitalisierung von Klassenräumen; das sind nur einige Punkte, die in den vorhandenen Schroeder-Schulen nicht umgesetzt werden können. 

Das wäre für Kiel wahrscheinlich auch kein großes Problem, wenn der Sanierungszustand der Kieler Schulen insgesamt zufriedenstellend wäre und es nur zwei oder drei Schroeder-Schulen in Kiel gäbe. Das ist aber nicht der Fall. Kiel hat ein echtes Schulbauproblem. 45 der 53 Kieler Schulen können als ‚unzeitgemäß‘ bezeichnet werden. Der Sanierungsstau beträgt mindestens 600 Millionen Euro und kann mit den aktuellen Schulinvestitionsmitteln im städtischen Haushalt nicht abgebaut werden. 22 Schulen sind Schroeder-Schulen und 13 davon stehen heute unter Denkmalschutz. Unter diesen Rahmenbedingungen ist heute schon klar, dass nicht alle Schroeder-Schulen erhalten werden können. Die Stadt und der Staat müssen neben dem Denkmalschutz auch andere Ziele verfolgen und hier für einen angemessenen Ausgleich sorgen.

Wichtig ist, dass nicht weitere Schroeder-Schulen unter Denkmalschutz gestellt werden. Hier muss die untere Denkmalschutzbehörde und gegebenenfalls der Oberbürgermeister tätig werden. Es macht keinen Sinn, immer mehr Schulen eines gleichen Bautyps unter Denkmalschutz zu stellen.

Für die Schroeder-Schulen unter Denkmalschutz muss ein intensiver Interessenausgleich koordiniert werden, der auch dazu führen kann, dass denkmalgeschützte Schroeder-Schulen aufgegeben werden. Das gilt aktuell gerade für die Friedrich-Junge-Schule und die Max-Planck-Schule. Umgekehrt wäre es gut, zwei Beispielschulen umfassender zu erhalten und besonderen Eigenarten von Schroeder-Schulen herauszustellen. Dafür müssen Schulen gefunden werden, die auch im Kollegium, der Schülerschaft und der Elternschaft bereit sind, die pädagogischen Konzepte dieser Schulen mit Leben zu erfüllen und weiterzuentwickeln.“

Nach oben