Besonnene und entschlossene Bildungspolitik

Zur heutigen Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtag sprach der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Tobias von Heide im Plenum:

Zur heutigen Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtag sprach der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Tobias von Heide im Plenum:

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Bericht der Ministerin hat es nochmal deutlich gemacht. Wir gehen verantwortungsvoll mit den Schulen in der Pandemie um. Es gibt keinen Grund, ein Schulchaos herbeizureden. Ich halte gerade aus der SPD einige Beiträge der vergangenen Tage für verantwortungslos. Weil sie nur Verunsicherung schüren, ohne überhaupt eine Alternative, geschweige denn eine Lösung aufzuzeigen. Sie werden damit der aktuellen Lage überhaupt nicht gerecht. Unser Bildungsministerium prüft permanent das aktuelle Infektionsgeschehen, stimmt sich permanent mit Experten ab und prüft permanent die neuen Erkenntnisse zum Virus und entscheidet dann über konkrete Maßnahmen. So ist das jetzt bei den Vorbereitungen zu den Abschlussprüfungen. So ist das bei der Umsetzung des Distanzlernens. Und so ist es auch bei der Erarbeitung des Perspektivplans. Karin Prien handelt mit ihrem Haus in einer schwierigen Lage besonnen und entschlossen. Und das verdient in erster Linie Lob und Unterstützung.

Bestmögliche Bedingungen für Schulabschlüsse

Ein Schulabschluss stellt die Weichen für die Zukunft von jungen Menschen. Wir wollen, dass trotz der Pandemie alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten unter bestmöglichen Bedingungen ihren Schulabschluss zu erreichen. Egal ob es sich dabei um einen ESA, um den mittleren Schulabschluss oder um das Abitur handelt. Deshalb haben wir uns bewusst dazu entschieden, die Abschlussklassen weiter in Präsenz zu unterrichten. Wir haben eine Änderung des Schulgesetzes auf den Weg gebracht, die sicherstellt, dass wir auch bei einer Verschärfung der Pandemie am Ende des Schuljahres Abschlusszeugnisse vergeben können. Und die Ministerin hat eben gerade ausgeführt, welche Anpassungen in diesem Jahr auf Grundlage des KMK-Beschlusses – also in Abstimmung mit den anderen Bundesländern – für die Abschlussprüfungen gelten.

Das sind alles richtige Entscheidungen, um deutlich zu machen, dass uns die Schulabschlüsse ein sehr wichtiges Thema sind. Wir wollen auf der einen Seite keinen „Schulabschluss light“ dieses Jahr haben, aber wir wollen auf der anderen Seite den besonderen Rahmenbedingungen und Drucksituationen bei den Schülern der Abschlussklassen gerecht werden. Wir können zwar nicht versprechen, dass dieses Jahr Abschlussfeiern und Abi-Bälle wie in gewöhnlichen Jahren stattfinden werden. Wir können aber versprechen, dass jeder Abschlussjahrgang mit einem regulären Schulabschluss für den weiteren Lebensweg ausgestattet wird. Das ist unser gemeinsames Ziel.

Öffnung von Schulen und Perspektivplan

Und ein weiteres gemeinsames Ziel muss nach wie vor der Präsenzunterricht sein. Wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, dann wollen wir so viel Präsenzunterricht wie verantwortbar ist, möglich machen. Weil wir wissen, dass offene Schulen einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit in unserer Gesellschaft leisten. Der gestern vorgestellte Perspektivplan zeigt den Weg zu Lockerungen auf und setzt einen Schwerpunkt auf die Schulen. An erster Stelle stehen bei uns Bildung und Chancengerechtigkeit. Deswegen sind bei Öffnungsschritten die Schulen als erstes an der Reihe. Das ist ein klares Bekenntnis dafür, wie wichtig uns die Bildung von Schülerinnen und Schülern ist. Und das ist der richtige Weg!

Schulen sind nicht zu!

Gleichzeitig möchte ich mit einem Missverständnis aufräumen. Schulen sind nicht zu! Das Lernen geht weiter. Auch wenn ein großer Teil der Klassen im Moment nicht zur Schule geht, es wird weiter Unterricht erteilt. Über das Prinzip des Distanzlernens können wir für alle Schülerinnen und Schüler Unterrichtsangebote machen. Und das übrigens mit größtem Einsatz der Lehrkräfte vor Ort in den Schulen und zu Hause. Das verdient unseren Dank und unsere Anerkennung für den Einsatz unserer Lehrerinnen und Lehrern.

Nicht jeder Distanzunterricht ist optimal

Die Pandemie ist eine vollkommen neue Situation, mit der wir keine Erfahrung haben. Und natürlich kann in einer Pandemie nicht jeder Unterricht optimal sein. Distanzunterricht und Wechselmodelle können und sollen auch einen klassischen Präsenzunterricht nicht ersetzen. Sie können den direkten zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen. Sondern sie sind ein Ersatzunterricht in schwierigen Zeiten, damit überhaupt Unterricht stattfindet.

Schulen erleben einen Digitalisierungsschub

Und ein Schlüssel dabei ist die Digitalisierung der Bildung in unseren Schulen. Ich glaube, die Corona-Pandemie wird – bei allen negativen Aspekten – gleichzeitig als größter Digitalisierungsschub im Bildungsbereich im Gedächtnis der Menschen bleiben. Deshalb sollten wir uns nicht darüber ärgern, dass das Glas noch halb leer ist, sondern wir sollten uns darüber freuen, dass es in der Kürze der Zeit jetzt schon halb voll ist. Und das ist nicht nur meine Meinung. Zum Beispiel schätzt der Gründer der digitalen Schulplattform IServ Jörg Ludwig, dass wir aktuell einen Sprung von fünf Jahren bei der Digitalisierung unserer Schulen machen.

Und ich will Beispiele dafür nennen.

280.000 Zugriffe auf itslearning

In Rekordzeit wurde mit itslearning ein einheitliches Lernmanagementsystem für alle Schulen zur Verfügung gestellt, das hervorragende Dienste leistet und die Folgen der Einschränkungen beim Präsenzunterricht signifikant abmildert. Mit Stand vom 21.1.2021 wurde itslearning an 342 Schulen bereitgestellt mit ca. 14.000 Konten für Lehrkräfte und über 130.000 Konten für Schülerinnen und Schülern. Die Lernplattform hat eine stabile Auslastung und es hat in den letzten Wochen 260.000 bis 280.000 Anmeldungen pro Tag gegeben. Das ist ein großer Erfolg.

Und ja, auch andere Systeme können weiterhin genutzt werden. Es macht aber Sinn, wenn wir einen gemeinsamen Standard anstreben, da hat unser Digitalisierungsminister Jan-Philipp Albrecht Recht, weil wir nur so über Schulgrenzen hinaus Synergien erzeugen können. Es kann zum Beispiel einen gemeinsamen Support geben, einheitliche Fortbildungen und abgestimmte didaktische Konzepte. Dass Einheitlichkeit hier hilft, ist eine Auffassung, die alle Fachleute zu diesem Thema teilen. Daran sollten wir arbeiten.

Über 30 Millionen Euro für digitale Endgeräte

Und wir haben das Sofortausstattungsprogramm des Bundes innerhalb von zwei Monaten nahezu vollständig an die Schulträger ausgezahlt – 17 Millionen Euro vom Bund und 1,7 Millionen Euro vom Land. Damit wurden über 28.000 digitale Endgeräte beschafft, die nun von Schülerinnen und Schülern ausgeliehen werden können. Zusätzlich haben wir ein eigenes Landesprogramm, das 14 Millionen Euro stark ist, für weitere Endgeräte auf den Weg gebracht. Auch hier haben die Schulträger schon mit den Beschaffungen begonnen und wir werden mit diesem Programm sicherstellen, dass jede Schülerin und jeder Schüler, die oder der ein digitales Leihgerät benötigt, damit auch ausgestattet wird. Auch das ist ein Beitrag für Chancengerechtigkeit in der Schule.

Und es kommen noch weitere Verbesserungen: Lehrkräfte werden mit digitalen Endgeräten ausgestattet und wir finden auch eine Lösung für die digitalen Hausmeister. Beides sind Themen, die sich auf der Zielgeraden in der Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden befinden.

Klassischer Digitalpakt hat nichts mit Corona zu tun

Aber weil es heute auch einen Antrag vom SSW zum klassischen Digitalpakt gibt, möchte ich dazu ein paar Worte verlieren. Der Digitalpakt hat erst einmal nichts mit Corona zu tun. Und das ist auch gut so. Wir haben lange mit dem Bund darum gerungen, ein Programm aufzusetzen, das die Digitalisierung unserer Schulen sicherstellt. Dabei geht es nicht um Unterricht in Kinderzimmern, sondern es geht um Unterricht in Klassenzimmern. Dafür brauchen wir eine ausreichende Netzwerk- und Serverstruktur, WLAN-Möglichkeiten, Präsentationstechnik und vielleicht auch das eine oder andere Endgerät. Wir sollten nicht den Fehler machen, dieses Geld – immerhin 180 Millionen Euro – für Infrastruktur auszugeben, die wir nach der Pandemie nicht brauchen. Denn eines steht jetzt schon fest: Dieser Digitalpakt wird einmalig sein. Und deshalb ist es auch nicht verkehrt, wenn sich Schulträger dafür Zeit nehmen, gute und kluge Medienentwicklungspläne zu entwickeln, anstatt Anschaffungen über das Bein zu brechen. Der Digitalpakt hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Das ist auch gut so.

250 Stellen dauerhaft für Digitalisierung an Schulen

Wir müssen nämlich nachhaltig denken und auch die Zeit nach der Pandemie im Blick haben. Und gerade deshalb freue ich mich sehr, dass noch einmal 250 zusätzliche Stellen für die Digitalisierung an unseren Schulen geschaffen werden. Ziel ist es, kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungsperspektiven für die schulische Bildung im digitalen Zeitalter sowie für alle Phasen der Lehrkräftebildung gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. Das braucht Personal. Dafür übernehmen wir als Land Verantwortung und stellen 250 Stellen zur Verfügung.

Über 100 Prozent Unterrichtsversorgung

Und das führt mich zu einem letzten Punkt, der hier nicht unerwähnt bleiben sollte. Denn wir sprechen bei dieser Debatte auch über den aktuellen Bericht zur Unterrichtssituation. In normalen Jahren ein Bericht, der etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das würde der Bericht in diesem Jahr auch verdienen. Wir haben es geschafft, die Unterrichtsversorgung an den allgemeinbildenden Schulen auf über 100 Prozent zu steigern. 101 Prozent haben wir in diesem Jahr erreicht. Das ist ein großer Erfolg. Und genauso sind wir bei den berufsbildenden Schulen an den 100 Prozent dran. 97 Prozent ist der aktuelle Wert und gerade angesichts der Historie eine bemerkenswerte Entwicklung, wahrscheinlich erreichen wir im kommenden Jahr die 100 Prozent. Umso richtiger, dass wir im vergangenen Schuljahr noch einmal 153 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt haben und das trotz sinkender Schülerzahlen.

Ich will es nur einmal erwähnen, denn wahrscheinlich ist diese Entwicklung für die kommenden Schuljahre in der Bildungspolitik in unserem Land bedeutender als manch eine emotionale Zeitungsdebatte, die wir in den vergangenen Tagen geführt haben.

Zusammengefasst: Wir kümmern uns darum, dass jeder Schüler auch in diesem Schuljahr einen Schulabschluss erhält. Wir kümmern uns darum, dass der Distanzunterricht sich kontinuierlich weiter verbessert. Wir kümmern uns darum, dass wir möglichst schnell wieder Schulen öffnen werden und in den Präsenzunterricht wechseln. Und wir kümmern uns darum, dass die Digitalisierung auch nach Corona in den Schulen nachhaltig weitergeht.

Ich rufe Sie dazu auf, unterstützen Sie uns bei diesem Kurs.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.

 

 
 
 

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